Chronik von Wattendorf

 

Erstellt durch Konrad Schott, ehemaliger Oberlehrer in Wattendorf

 


Schon in vorchristlicher Zeit waren der Gemeindebezirk Wattendorf uralter Siedlungs- und Kulturboden. Bisher im Erdreich verschlossene Rückstände, in neuerer Zeit da oder dort landwirtschatlichen Grundstücken entnommen, künden von der ältesten Bauernkultur, die wir in Europa kennen, dan Bandkeramikern, so genannt wegen ihrer bänderartigen verzierten Gebrauchkeramik. Diese urtümlichen Bauern des dritten vorchristlichen Jahrtausends, die bisher auf Lös- oder Schwarzerdegebieten nachzuweisen waren, siedelten auf dem „Melm“ des Juras, wo das Gelände günstig zur Sonne, Wind und Wasser lag. So wurden die Band-keramiker in der Wattendorfer Gemarkung „Motzenstein und Hochstatt“ nachgewiesen. Im Wechsel mit drei anderen jungsteinzeitlichen Kulturen (den Rössnern, den Michelsbergern und den Schnurkeramikern) haben die Bandkeramiker in der Zeit von 3000 – 1800 vor Christus am und um den Motzenstein gesiedelt. Aus der früheren Eisenzeit, der Hallstatt-Stufe C und D, 7 – 6 Jhdt. Finden wir Grabhügel im westlichen und südöstlichen Gebiet des Gemeindebezirks (Gemeindebereiches), dessen Boden auch eine keltische Goldmünze aus der zeit um 100 v. Chr. entnommen werden konnte.

Das Dorf Wattendorf – Dorf des Wato, Wade – tritt erst um 1180 ins Licht der Geschichte, als es sich im Besitze der von Dießen am Ammersee stammenden Grafen von Andechs befand. Wir dürfen aber annehmen, dass Wattendorf der fränkischen Kolonisation im 8./9. Jahrhun-dert seine Entstehung verdankt. Bis zum Jahre 1248 war Wattendorf im Besitz des stolzen Geschlechts der Andechs-Meranier, deren letzter unglücklicher Sproß in Herzog Otto VIII. zu diesem Zeitpunkt auf der heute wüsten Burg Niesten, bei Weimain starb. Somit erlosch das Geschlecht im Mannesstamm.

Nach der Meranischen Erfolgezeit gelangte Wattendorf um das Jahr 1260 in den Bestiz des Grafen von Truhendingen, der mit Margaretá, einer der erbberechtigten Schwestern Herzog Ottos VIII. vermählt war. Schließlich schenkten die Grafen von Truhendingen am 17. No-vember 1274 ihr Gut Wattendorf zum Seelenheil ihrer Eltern dem 1133 gegründeten Zister-zienserkloster Langheim, in dessen Besitz Wattendorf als Klosterdorf bis zur Aufhebung der geistlichen Besitztümer (Säkularisation) im Jahre 1803 verblieb.

Die zur heutigen Gemeinde gehörige Ortschaft Schneeberg wurde erstmals 1382 urkundlich erwähnt, als die Herren von Truhendingen gewisse Rechte in Schneeberg dem Bischof von Bamberg verkauften.

Die Pfarrkirche zu Wattendorf, nach Lage, Bau des Turmes und Überlieferung eine befestigte mittelalterliche Wehrkirche, Sankt Barbara geweiht, verdankt ohne Zweifel dem Bauwillen des Klosters Langheim ihre Entstehung. Die ursprüngliche Kapelle von Wattendorf wird 1367 erstmals urkundlich benannt als Filiale der benachbarten Pfarrei Weichenwasserlos.

Nachdem 1728 Wattendorf Kuratie geworden war, erhob Fürstbischof Friedrich Karl zu Schönborn, der Landesherr des Hochstifts Bamberg, am 24. April 1741 die Filiale Wattendorf zur selbständigen Pfarrei. Ihr zugestellt wurden, der1772 abgegangene Einödhof Eschbach, das zu Arnstein gehörige Mährenhüll und das nach Ützing pfarrende Kümmersreuth. 1831 wurde auch das bisher bei der Pfarrei Weichenwasserlos befindliche Gräfenhäusling der Pfarrei Wattendorf zugeteilt.

Als bemerkenswertes Kunststück sehen wir in Bamberg in der Ausstellung auf dem Domberg eine in Barock gestaltete, spätgotische „Beweinung Christi“ aus der Zeit um 1520, die man einem Schüler des berühmten Nürnberger Meisters Veit Stoß zuschreibt. Leider ist das Werk seiner ursprünglichen Verfassung beraubt. Es ist Eigentum der Pfarrkirche Wattendorf. Um 1690 wurde erstmals in Wattendorf Schule gehalten Auf dem Anger steht zwischen zwei Linden –gleichalterig- die 1959 restaurierte barocke Gerichtsmarter aus dem Jahre 1731, das bemerkenswerteste Flurdenkmal im Flurbereich Wattendorf.

Von Wattendorfs reicher Vergangenheit kündet sein Gemeindewappen, das 1959/1960 geschaffen wurde und ein Verdienst des früheren Oberlehrers, Herrn Konrad Schrott, ist

Auf blauem Grund reckt sich der silberne Adler des Grafen von Andechs, während der aus goldenem Kelch herausragende Abtsstab von der über 500 Jahre währenden Zugehörigkeit Wattendorfs zum Kloster Langheim erzählt.

Im Zuge der Gebietsreform 1978 wurde die Gemeinde Wattendorf mit seinen Ortsteilen Gräfenhäusling, Bojendorf, Mährenhüll und Schneeberg in die Verwaltungsgemeinde Steinfeld eingegliedert. Die Verwaltungsgemeinschaft umfasst die Gemeinden Königsfeld, Steinfeld und Wattendorf.